Nachhaltiges Wachstum

Die beiden WHG-Geschäftsführer DI Arthur Schifferl und DI Peter Messner im Interview über das Geschäftsjahr 2017, Ausblicke und Zukunftsprojekte in der WHG.

Die beiden UNSER LAGERHAUS WHG Geschäftsführer (v.l.) DI Peter Messner und DI Arthur Schifferl präsentierten auf der Generalversammlung ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr 2017 und stellen die Weichen auf nachhaltiges Wachstum.

Wie waren die wirtschaftlichen Rahmen- und Umfeldbedingungen?

Schifferl:
In Österreich entwickelte sich die Konjunktur im Berichtsjahr mit einem BIP von 2,9% sehr positiv und stellte damit eine breite und solide Basis für unsere positive Geschäftsentwicklung dar. Das gute Wirtschaftswachstum 2017 war getragen durch den privaten Konsum, gestiegene Investitionstätigkeit sowie durch verbesserte Exporte. Eine gute Beschäftigungslage und die Auswirkungen der letzten Steuerreform waren die Basis für den gestiegenen Konsum. Sowohl Privathaushalte als auch Handel, Gewerbe und Industrie verstärkten ihre Investitionstätigkeit deutlich. Davon profitierte das Baustoff- und Energiegeschäft sowie die Dienstleistungsbereiche. Die verbesserten agrarischen Erzeugerpreise hatten einen positiven Effekt auf das Landtechnikgeschäft und den Einsatz landwirtschaftlicher Produktionsmittel.

Messner:
Die landwirtschaftlichen Betriebe in Kärnten und Tirol können das Jahr 2017 mit einer erfreulich positiven Grundstimmung abschließen. Ein über das ganze Jahr hinweg günstiger Witterungsverlauf bescherte dem Ackerbau eine mengenmäßig und qualitativ sehr gute Mais- und Getreideernte. Die heimischen Landwirte konnten einen um durchschnittlich 10% höheren Erzeugerpreis erzielen und somit ihre Deckungsbeiträge verbessern. Die produzierten Mengen an Mahlgetreide, Braugerste und Speisemais lagen auf Vorjahresniveau und brachten der Kärntner Landwirtschaft zusätzliche Wertschöpfung durch den Vertragsanbau. Der im 1. Halbjahr merklich steigende Erzeugermilchpreis verbesserte die Investitionstätigkeit am Landtechnikmarkt.

Wie ist das Geschäftsjahr 2017 für die Unser Lagerhaus WHG verlaufen?

Schifferl:
Unser Unternehmen hat die konjunkturbedingte Verbesserung der Markt- und Umfeldbedingungen im Geschäftsjahr 2017 gut genutzt und einen Umsatz von über 490 Mio. EUR erwirtschaftet. Dies entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Wachstum von 6,9% und liegt deutlich über dem Branchenschnitt. Die deutlich gestiegenen Umsatzerlöse sind sowohl mengen-, absatz- als auch preisbedingt. Die Geschäftsfelder Energie, Agrar, Baustoffe sowie Haus- & Gartenmarkt konnten Umsatzzuwächse verzeichnen. Die Technik war mit einem weiterhin rückläufigen Landmaschinenmarkt konfrontiert, konnte jedoch den Umsatz auf Vorjahresniveau halten.

Messner:
Die WHG konnte 2017 ein sehr gutes Unternehmensergebnis erwirtschaften und setzte dabei wichtige strategische Weichenstellungen für ein weiteres Wachstum. Unser Betriebsergebnis konnte im Vergleich zum Vorjahr durch eine Steigerung der Roherträge und eine effiziente Kostenführung erhöht werden.

Es wurden 2017 wichtige strategische Weichenstellungen und Investitionen für ein solides Wachstum gesetzt, welche konkret?

Messner:
Mit 1. November 2017 wurde das Mischfutterwerk „Rauchfutter“ am Standort Hall/Tirol, in die WHG eingegliedert. Das Lagerhaus trägt der steigenden Nachfrage nach regional produzierten, gentechnikfreien sowie biologischen Qualitätsfutter Rechnung und erweitert damit in Tirol seine Produktionskapazitäten für Mischfutter. Mit zahlreichen Modernisierungs- und Umbaumaßnahmen konnte das Mischfutterwerk Innsbruck in den letzten Jahren zum modernsten Standort in Westösterreich ausgebaut werden.
Die Kapazitäten des Mischfutterwerks „Rauchfutter“ in Hall, dessen zentrale Anbindung an wichtige Infrastrukturen wie Autobahn und Schienenverkehr ermöglichen es, die wachsende Nachfrage nach regional produzierten Tierfutter erfolgreich zu bedienen.
Das hohe Know-How beider Unternehmen, Logistikvorteile sowie Kostensenkungen durch Produktionssynergien und Effizienzsteigerungen sichern die Standorte Hall und Innsbruck zukünftig ab. Mit der Eingliederung von „Rauchfutter“ in die WHG wird die Wettbewerbsfähigkeit als Tiroler Mischfutterproduzent maßgeblich erhöht.

„Mit zusätzlichen Impulsen wie regionale Genussland-Bauernecken und die Modernisierung von Verkaufsflächen, konnte man Vorteile gegenüber den Mitbewerbern erzielen“, so Schifferl.

Schifferl:
Mit unserem neuen modernen Haus- und Gartenmarkt erweiterten wir in der Bezirksstadt Spittal in optimaler Lage erheblich die Verkaufsfläche. Damit entstand in Spittal der größte Haus- und Gartenmarkt der WHG. Der neue Fachmarkt mit modernem Gartencenter punktet mit umfangreichem Angebot, zahlreichen Serviceleistungen, professioneller Fachberatung sowie modernen Shop-in-Shop-Konzepten. Das kürzlich neu gebaute Lagerhaus Neustift bietet mit bedarfsorientierten Produkten und vielseitigen Serviceleistungen ein umfassendes Vollsortiment für die Bevölkerung im Tiroler Stubaital.
Mit den Sparten Baustoffe, Haus & Garten sowie Energie und Agrar ist das Lagerhaus Neustift ein wichtiger und verlässlicher Nahversorger und bildet mit dem modernen Lagerhaus Steinach/Wipptal eine gemeinsame Vertriebsregion südlich von Innsbruck. Der Ganzjahrestourismus in der Region und eine sehr gute Standortlage mit bestehenden, langfristigen Kundenbeziehungen waren mitentscheidend für die Übernahme des Warengeschäftes von der Raiffeisenbank Neustift.
Nach Aus- und Umbauarbeiten am Standort Feldkirchen/Kärnten wurde der neue Baufachmarkt im Juni eröffnet. Mit dem neuen Schauraum und angeschlossenem Baufachmarkt sowie unserem Haus- und Gartenmarkt bietet man zukünftig einen modernen Standort.

War die breite Ausrichtung auf drei Kerngeschäftsfelder Agrar, Energie und Bau wieder ein großer Vorteil?

Schifferl:
Die breite Ausrichtung auf drei Kerngeschäftsfelder Agrar, Energie und Bau, die solide genossenschaftliche Struktur der Lagerhäuser, die Einbettung in ein großes Handels- und Dienstleistungsunternehmen sowie die gute Zusammenarbeit im Lagerhausverbund erwiesen sich auch 2017 als großer Vorteil für die WHG. Das sehr gute Unternehmensergebnis wurde nicht nur durch die verbesserte Geschäftsentwicklung, sondern auch durch Effizienzsteigerung und konsequente Kostensteuerung erreicht. Neben richtigen strategischen und unternehmenspolitischen Weichenstellungen der letzten Jahre, ist es vor allem dem großen Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verdanken, dass in nahezu allen Geschäftsbereichen eine gute und solide Entwicklung zu verzeichnen war.

Kundennähe, Nachhaltigkeit, Regionalität – diese Werte liegen wieder stark im Trend. Wie spiegelt sich das in Ihrem Unternehmen wider?

„Gemeinsam mit unseren Landwirten mehr erreichen und dadurch Sicherheit und zusätzlichen Mehrwert für die Landwirtschaft zu generieren, ist auch in Zukunft das erklärte Ziel“, unterstreicht Peter Messner.

Messner:
Das Lagerhaus ist ein wichtiger Vertragspartner für viele heimische Landwirte. Mit dem Abschluss regionaler Anbauverträge sichert das Lagerhaus nicht nur die Ernte-Abnahme für Vertragsbauern und damit die Versorgung der produzierenden Betriebe, sondern fördert eine geschlossene regionale Wertschöpfungskette. Der Ausbau der regionalen Wertschöpfung wird durch deutliche Mengensteigerungen in der Mischfutterproduktion in Kärnten und Tirol gefördert. Mit unserer Wertschöpfungspartnerschaft versuchen wir, die gesamte Verarbeitungskette im Land zu bündeln und die Wertschöpfung der Landwirte vor Ort zu erhöhen. Auch die Mengensteigerungen im Mischfutterexport in die Nachbarländer Slowenien und Italien sind sehr erfreulich.
Die WHG hat im Vorjahr sechs seiner Haus- und Gartenmärkte in Kärnten mit individuellen Genussland-Bauernecken ausgestattet. Dort finden Kunden qualitativ hochwertige Lebensmittel aus ihrer Region. Als Genussland-Kärnten Handelspartner verpflichten wir uns, qualitäts- und herkunftsgesicherte Produkte aus den unmittelbaren Regionen auf kurzem Wege anzubieten. Die Kärntner Landwirte erhalten als Mitglieder der Genossenschaften im Lagerhaus eine zusätzliche Vermarktungsmöglichkeit.

Wie ist aus Ihrer Sicht die Zusammenarbeit im Lagerhaus-Verbund?

Messner:
Derzeit arbeiten wir mit Hochdruck an dem gemeinsamen, österreichweiten Digitalisierungsprojekt SMART. Ein Zusammenrücken der einzelnen Lagerhäuser ist notwendig, um zukünftige Herausforderungen entsprechend zu meistern.
Wir stehen vor der spannenden Herausforderung unsere klassischen Stärken wie Standortdichte, Kundenbeziehung und Vertrauen sowie Beratungskompetenz in eine zunehmend digital dominierte Welt zu transferieren. Das Projekt SMART nimmt sich diesen Thematiken an und steht demnach für mehr als nur einen neuen gemeinsamen österreichweiten Webauftritt.

Die Digitalisierung beeinflusst immer stärker unser Leben und unsere Arbeit. Welche Auswirkungen hat diese Entwicklung für das Lagerhaus?

Schifferl:
Mit dem Digitalisierungsprojekt SMART möchte das Lagerhaus die starke Marktstellung in der Landwirtschaft absichern und im Consumer-Bereich weiter ausbauen. Wir möchten über verschiedene Kanäle unser stationäres Geschäft  durch die Onlineaktivitäten stärken. Das SMART-Projekt ermöglicht es, zukünftig an Standorten, wo wir Nahversorger mit eingeschränkten Verkaufsflächen sind, das gesamte Sortiment kompetent anzubieten. Weiters werden wir mit SMART den geänderten Kaufbedürfnissen unserer Kunden gerecht werden. Damit der Onlineverkauf auch einwandfrei funktioniert, müssen zuvor in allen Lagerhäusern viele Weichen gestellt und entsprechende Vorbereitungen durch unsere Mitarbeiter getroffen werden. Durch die Kombination von regionaler Nähe mit gutem Service und innovativen Shop-Konzepten in Verbindung mit unserem Digitalisierungsprojekt, werden wir unsere gesamte Marktposition gemeinsam nachhaltig stärken.

Messner:
Auf Österreichs Bauernhöfen geht der Trend längst in Richtung Smart Farming. Auch in unseren Märkten setzen Landwirte zunehmend auf vernetzte Maschinen und intelligente Geräte die den Arbeitsalltag am Hof und auf den Feldern erleichtern. Die Landwirtschaft entwickelt sich dabei rasant zu einer digitalen Branche: Hightech-Traktoren, Melkroboter, intelligente Tier-Ohrmarken, Grundfutteranalysen in Echtzeit, Bodenscanner, Drohnen oder Precision-Farming-Systeme sowie weitere innovative Zukunftsthemen stellen das Lagerhaus vor neue Herausforderungen.

Es gibt Anzeichen für gute Rahmenbedingungen im aktuellen Geschäftsjahr, welche wesentlichen Schwerpunkte werden gesetzt?

Schifferl:
Ja richtig, es gibt Anzeichen auf gute Rahmenbedingungen. Die österreichische und europäische Wirtschaft befindet sich derzeit in einer Phase starken Wachstums. In unseren Heimmärkten Kärnten und Tirol erwarten wir für 2018 eine positive und gute konjunkturelle Entwicklung. Positiv zu bewerten ist auch der ungebrochene Trend unter den Konsumenten, Investitionen in ihr Eigenheim zu tätigen. Weitreichende Folgen hat auch der massive Technologiewandel, in dem wir uns seit einiger Zeit befinden. Vor allem die Digitalisierung wird in den nächsten Jahren ihren Erfolgsweg fortsetzen und weitere tiefgreifende Auswirkungen auf unsere Geschäftsprozesse mit sich bringen. Dieser großen Herausforderung muss sich der gesamte Lagerhausverbund stellen.
Daher legen wir im Jahr 2018 ein besonderes Augenmerk auf das engagierte Vorantreiben der Digitalisierung im Lagerhaus, um unser klassisches Geschäftsmodell mit regionalen flächendeckendem Standortnetz, hoher Beratungskompetenz und Kundennähe, mit dem Onlinegeschäft zu verbinden. Damit möchten wir unsere Kunden, Partner und Eigentümer noch besser bedienen.

Wir danken für das Gespräch!

 

Über UNSER LAGERHAUS Kärnten & Tirol (Stand Juni 2018):
Die UNSER LAGERHAUS Warenhandelsgesellschaft m.b.H. erwirtschaftete 2017 an über 60 Standorten in Kärnten und Tirol mit 1.150 Mitarbeitern einen Umsatz von 490,4 Mio. Euro. Echte Werte wie Vertrauen und Zuverlässigkeit, Nachhaltigkeit und Stabilität sowie Kundennähe und gesellschaftliche Verantwortung zeichnen das Traditionsunternehmen aus.

 

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