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Zu Gast im John Deere-Werk Mannheim

In Mannheim arbeiten über 2.900 Mitarbeiter im größten John Deere-Werk außerhalb der USA.

DAS GROSSE TOR öffnet sich und ein nagelneuer grün-gelber Traktor verlässt die Fertigungshalle – bereit für die Auslieferung an den Kunden. Bis zu 180 Mal täglich wiederholt sich dieses Schauspiel; so viele Traktoren der Serien 6M, 6MC, 6R und 6RC von rund 95 PS – 260 PS (70 kW – 190 kW) können pro Tag im John Deere-Werk Mannheim (Deutschland) gefertigt werden.

John-Deere_7REXAKT NACH KUNDENWUNSCH
Mannheim hat sich auf die Produktion von mittelgroßen Traktoren spezialisiert. Und die werden auf Kundenwunsch gefertigt. Eine Vielzahl an Ausstattungsvarianten sorgt dafür, dass nicht jeder Traktor baugleich ist. Mittels „Just in Time“-Produktion werden Materialien und Komponenten erst dann geliefert, wenn sie tatsächlich für die Fertigung benötigt werden.
Da kein Traktor dem anderen gleicht, legt man im Werk besonderes Augenmerk darauf, welche Teile eingebaut werden. Ein Barcodesystem überwacht jeden einzelnen Fertigungsschritt. Um die Effizienz zu steigern und die Qualität zu erhöhen, sind die Mitarbeiter in Arbeitsgruppen aufgeteilt.

GETRIEBESPEZIALISTEN
Eine der Kernkompetenzen des Werks in Mannheim ist die Entwicklung und Fertigung von Getrieben. So wurde etwa das Doppelkupplungsgetriebe DirectDrive (stufenlos) in Mannheim konzipiert und zur Serienreife gebracht. Besonders die Traktor-Getriebetechnik ist für die Ingenieure eine Herausforderung, da diese, etwa im Gegensatz zum Pkw-Bereich, besonders anspruchsvoll ist.
Der neueste Streich ist das Command-Quad Plus Getriebe für die überarbeitete 6M-Serie (siehe Seite 32). Im sogenannten Zahnradbau werden die Einzelteile des Getriebes flexibel gefertigt. Dort werden Zahnräder und -kränze, Wellen und Gehäuse gefräst, gestanzt und geschliffen. Danach folgt die Wärmebehandlung der Zahnräder und Wellen in der Härterei. Höchste Belastungen im Einsatz sind dadurch möglich. In der Getriebemontage werden die zahlreichen Getriebevarianten fertiggestellt.

Produktionslinie-JohnDeere
BEEINDRUCKENDE DIMENSIONEN. Die Produktionslinie ist 480 m lang. Am Foto die Montage des Motorblocks auf den Rahmen.

ENDMONTAGE
Die gesamte Produktionslinie in Mannheim ist 480 m lang. Auf einem Fließband werden die einzelnen Komponenten zusammengebaut. Einer der wichtigsten Fertigungsschritte ist
dabei das Verbinden von Rahmen, Motor und Kabine, die sogenannten „Hochzeit“. Der Stahlbrückenrahmen für die Traktoren wird in Mannheim gefertigt, die 4- und 6-Zylinder-Motoren kommen aus dem John Deere Werk in Saran (Frankreich) und die Kabinen aus Bruchsal (D). Die Montage der Räder erfolgt am Ende der Produktionslinie.

UMFANGREICHE QUALITÄTSKONTROLLEN
Während der Produktion werden zahlreiche Teststationen durchlaufen. In Messräumen und Prüfständen werden die Präzision und Belastbarkeit von Komponenten permanent überwacht. Einzigartig in der Traktorindustrie ist ein Online-Prüfstand: Jede 10. Maschine unterzieht man, bevor sie zur Auslieferung freigegeben wird, einer weiteren Prüfung. Darüber hinaus gibt es 2 Testfahrer, die permanent fertiggestellte Traktoren auf einem Testparcours auf Praxistauglichkeit überprüfen.

AM ANFANG STEHT DIE IDEE
Von der Entscheidung, eine neue Traktorserie zu bauen, bis zur Serienreife vergehen im Durchschnitt 4 – 5 Jahre. Besonders viel Zeit wird dabei in Simulationen und ausführliche Tests investiert. Bei der Planung zukünftiger Serien gilt es, Trends rechtzeitig zu erkennen. „In manchen Bereichen ist es notwendig, schon heute die Anforderungen der Kunden im Jahr 2020 oder 2022 vorauszusehen und unsere Entwicklungen danach auszurichten“, erklärt Nico Weßling, Marketing-Manager von John Deere, die große Herausforderung.
Themen wie Hybridtechnologien bzw. die Elektrifizierung von Anbaugeräten und Nebenaggregaten beschäftigen schon jetzt die Entwickler. „Ein weiteres wichtiges Zukunftsthema ist die Effizienzsteigerung“, betont Weßling und verweist auf den wirtschaftlichen Druck in der Landwirtschaft. „Wir unternehmen große Anstrengungen, um Arbeitsprozesse für den Landwirt in Zukunft besser und auch einfacher zu machen.“

ZAHLEN, DATEN, FAKTEN

  • Auf 42 ha Gesamtfläche werden in Mannheim bis zu 180 Traktoren täglich gefertigt
  • 2015 wurden 29.000 Einheiten in Mannheim produziert
  • Die Zeit von Produktionsbeginn eines Traktors bis zu Fertigstellung beträgt rund 4 Stunden
  • Ein John Deere Traktor besteht aus über 30.000 Teilen

John-Deer_00EIN STANDORT MIT GESCHICHTE
Der Standort hat eine lange Tradition. 1859 gründete Heinrich Lanz seine Firma in Mannheim. Dort baute er später unter anderem den berühmten Lanz-Bulldog. Im Jahr 1956 übernahm Deere & Company die Firma Lanz. Seither wurde in Mannheim eine Vielzahl von Traktorenmodellen produziert, unter anderem die äußerst erfolgreiche 6000er-Serie.
„Als Arbeitgeber ist John Deere in Mannheim sehr beliebt“, erzählt Nico Weßling, Marketing-Manager von John Deere. Zudem mache, so Weßling, das urbane Umfeld den Standort attraktiv.
Zurzeit sind alleine im Traktorenwerk rund 2.900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, am Standort Mannheim insgesamt etwa 3.500. 2015 verließen 29.000 „Johnnys“ die Fabrik, die Gesamtkapazität liegt bei 45.000. Mannheim ist die die größte John Deere-Fabrik außerhalb der USA.
Quelle: Fachmedium Unser Land 7-8/2016

 

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